This thing about… pro-life, pro-choice

Donald Trump und die AfD sind zurzeit in aller Munde und dies nicht nur wegen ihrer kontroversen Flüchtlingspolitik (hierzu möchte ich euch gerne auf den Beitrag meiner lieben Kollegin und Freundin literaritaet.de hinweisen). Bei mir stehen sie vor allem durch ihre harte Meinung zur Abtreibung auf der roten Liste.

Trump hat vor 2 Tagen in einem Interview mit MSNBC Chris Matthews das Statement verfasst, dass es some form of punishment geben muss für Frauen, die abtreiben. Auch die AfD hat in ihrem Grundsatzprogramm für 2016 im Absatz 6.7 „Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene“ folgendes formuliert: Die Alternative für Deutschland wendet sich gegen alle Versuche, Abtreibungen zu bagatellisieren, staatlicherseits zu fördern oder sie gar zu einem Menschenrecht zu erklären.

Das Recht auf Abtreibung ist und bleibt eines der größten feministischen Themen. In die deutsche Öffentlichkeit rückte es 1971, als Alice Schwarzer für eine stern-Aktion Unterschriften sammelte. Damals bekannten sich 374 Frauen (unter anderem Senta Berger und Romy Schneider) öffentlich dazu, schon einmal gegen den Paragraphen 218 StGB verstoßen zu haben und riskierten somit, strafrechtlich belangt zu werden. Aber sie haben damit den Anstoß für die öffentliche Diskussion gegeben.

Ich glaube, jede Frau, die sexuell aktiv ist, hat sich schon mal gedacht: Was wäre wenn ich jetzt schwanger werden würde? Behalten oder abtreiben? Was früher noch ein Tabuthema war und bis 1953 sogar mit der Todesstrafe belegt wurde, ist auch heute noch ein Tabuthema. Oftmals sehen sich Frauen mit der Entscheidungsfindung allein: Der Partner ist grundsätzlich für kein Kind, die Familie ist weit weg und die Freunde sollen schon gar nichts davon wissen. Auf die verurteilenden Blicke und guten Ratschläge kann eine Frau in dieser Situation ganz gut verzichten.

Zugegeben sind wir heute in einer Situation, wo Engelmacher und Kleiderbügel für unsere Gesellschaft nicht mehr relevant sind, aber dennoch macht sich eine Frau, die abtreibt, nach dem Strafgesetzbuch strafbar. Im Paragraph 218 StGB steht: Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Wie wird es uns dennoch möglich gemacht, eine Schwangerschaft abzubrechen? Gesetzliche Hintertüren! Die sogenannte Indikationenlösung kam 1993 nach Deutschland. Nach Paragraph 218a ist der Tatbestand nicht verwirklicht, wenn eine Bescheinigung von einem staatlichen Vertreter (Beratungsstelle) vorliegt. So kann der Schwangerschaftsabbruch basierend auf dem Schwangerschaftskonfliktgesetz doch durchgeführt werden.
Es gibt drei Begründungen für eine straffreie Durchführung:

1. Beratungsregel: Die Schwangerschaft kann aufgrund persönlicher Motive – Lebenssituation, finanzielle Probleme etc. – abgebrochen werden, aber nur nach einem Beratungsgespräch.
2. Medizinische Indikation: Die Mutter wird durch die Schwangerschaft gesundheitlich stark gefährdet oder das Baby ist behindert. Die Behinderung selbst ist kein Grund, die Mutter muss versichern, dass sie ein Leben mit einem behinderten Kind nicht ertragen könnte.
3. Kriminologische Indikation: Ein Verbrechen geht der Schwangerschaft voraus, bedeutet: Vergewaltigung oder Schwangerschaft vor dem 14. Lebensjahr.

Es wird einem also irgendwie durch Schlupflöcher möglich gemacht.

Wer jetzt glaubt, dass in Deutschland Massenabtreibung herrschen würden, nur weil die strafrechtliche Hürde gefallen ist, der hat sich geschnitten, denn Abtreibung ist nun wirklich für keine Frau eine Lappalie. Der Weg zum Arzt oder die Apotheke ist oftmals mit einer großen Scham verbunden, und keine Frau wartet darauf, endlich rezeptfrei in der Apotheke ein Medikament zu besorgen, um den Embryo wortwörtlich in der Toilette runterzuspülen. Eine Abtreibung geht oftmals mit großen psychologischen und auch physiologischen Schäden einher und so eine Entscheidung wird von keinem leichtfertig getroffen. Wenn man dann aber noch eine Strafe fürchten muss, erhöht das die Schäden.

Und darauf setzen wohl auch die Politiker!
Anstatt Kindern und Jugendlichen eine zureichende sexuelle Aufklärung in der Schule zu bieten, wird hier eher die Angst auf eine Bestrafung geschürt.
Und selbst mit einer ordentlichen Aufklärung und Verhütung geht es so schnell: Das Kondom reißt, die Pille setzt aus, das Diaphragma verrutscht und wenn man das alles nicht merkt, dann kann es ganz schnell zu spät für „Die Pille danach“ sein und man wird schwanger. Denn wie wir ja alle wissen, ist kein Verhütungsmittel zu 100% sicher und Versehen passieren. Damit kann man rechnen, damit muss man sogar rechnen, aber wenn es nicht passt, dann passt es nicht und dann sollte man gefälligst auch die Möglichkeit haben, sich STRAFFREI dagegen zu entscheiden!

Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht für die Abtreibung propagieren, auch ich bin pro-life. Aber vor allem bin ich pro-choice. Bei der Debatte geht es vielmehr um die Möglichkeit, bei einer ungewollten Schwangerschaft sein RECHT auf einen Schwangerschaftsabbruch auszuüben und vor allem bessere Aufklärung zu betreiben.
Ich denke, jede Frau sollte die alleinige Macht und Freiheit über ihren Körper haben und für sich entscheiden können und dürfen, ob ein Kind in ihr Leben passt oder nicht! Schließlich trägt die Frau die Verantwortung für beides – ihr Leben und das Leben des Kindes!

MY BODY, MY CHOICE!

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2 comments

  1. Ich kann deine Meinung nur unterstützen! Schlimm genug, dass die Schwangere häufig mit viel Scham und Gewissensbissen zu kämpfen hat, sie für ihren inneren Konflikt zu bestrafen bei dem nur sie allein die endgültige Entscheidung treffen kann, darf man einfach nicht bestrafen!

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