this thing about… Generation Ghosting

Ich hatte früher unwahrscheinliche Angst vor Geistern. Ich konnte keine Nachtische mit Schubladen neben meinem Bett stehen haben. Kuscheltiere waren absolut tabu. Ich habe bei offener Zimmertür und Festbeleuchtung geschlafen. Anfangs habe ich noch Hörspiele gebraucht zum Einschlafen, irgendwann konnte ich selbst das nicht mehr, weil ich aus irgendeinem perfiden Grund Angst davor hatte, dass ich irgendwann ganz andere Stimmen höre als die mir altbekannten auf meiner Kassette von den Flintstones. 

Damals waren Geister nur eine Einbildung meinerseits. Mir war natürlich klar, dass das alles nur in meinem Kopf passiert. Geister existieren doch nicht wirklich, oder?  

Was habe ich mich geirrt! Es gibt sie tatsächlich, diese Menschen, diese Geister, die sich mit einer Unart unserer Generation aus meinem Leben schleichen – und sie gehören mittlerweile zu meinem Erwachsenenalltag dazu wie das tägliche zur Arbeit gehen. Die Menschen, die in dein Leben treten und dann ganz plötzlich wieder weg sind. Unvermittelt. Unsichtbar. Ungreifbar. Und dann geistern sie in deinen Gedanken umher.  

Wer jetzt noch nicht weiß, wovon ich spreche, der hat bisher wohl richtig Glück gehabt und musste sich nicht mit Ghosting beschäftigen. Diese Modeerscheinung meiner Generation, in der man eine Beziehung zu einem Menschen aufbaut und wie aus dem Nichts vor dem Nichts steht – einem Nichts der Nicht-Kommunikation. Der Mensch, mit dem man so oft Kontakt hatte, meldet sich dann einfach nicht mehr, beantwortet keine Nachrichten mehr, blockiert jeglichen Kontakt. Und im Idealfall wird man nicht mehr von ihm gesehen. Gruselig.  

Wikipedia bezeichnet dieses Phänomen als “Beziehungsproblem”, das nur in einer Partnerschaft vorkommt. Ich würde es grundsätzlich als “Bindungsproblem” beschreiben – eine Unfähigkeit, eine Bindung mit einem Menschen einzugehen, sei es eine geschäftliche, eine freundschaftliche oder eine liebevolle Bindung. Und dann kann man mit seinem Gegenüber nichts mehr anfangen, hat was besseres gefunden, kann seine Gefühle nicht in Worte fassen und schwupps, weg. Und der geghostete Mensch sitzt dann zuhause und fragt sich, was er/sie falsch gemacht hat und der Ghoster geistert weiterhin umher.  

Das Phänomen existiert bestimmt nicht erst seit gestern oder steht im Zusammenhang mit der Entdeckung des Internets und des Online-Datings. Ghosting ist sicherlich schon früher ein Problem gewesen, zu Zeiten von Fax, Brief, Kabeltelefonen, Telegrammen, Morse Telegrafen. Nur gab es da a) sicherlich häufiger auch triftige Gründe, warum sich nicht mehr gemeldet wurde und b) ist es damals mit Sicherheit nicht so häufig vorgekommen wie heute – und vor allem nicht so skrupellos.  

Fest steht aber, dass wir mit der Entdeckung des Internets, mit der Erfindung des Online-Datings und mit der Anonymität, hinter der wir uns mittlerweile ganz gut verstecken können, jegliche Form des Anstands, Respekts und jegliche Umgangsformen verkrüppeln lassen. Wir können gar nicht mehr anständig miteinander sprechen, uns in die Augen schauen, 5 Minuten ohne Handy miteinander Zeit verbringen, geschweige denn uns einfach auf der Straße anquatschen, wenn wir uns gut finden. Das verlernen wir und enden als Kommunikationsidioten, die von den Generationen vor uns ausgelacht werden.  

Ich will jetzt auch nicht die Geschichte des Ghostings aufrollen, überhaupt nicht. Ich glaube nur, dass wir ganz dringend wieder anfangen müssen uns genau den Respekt entgegenzubringen, den wir verdienen. Und das bedeutet: Hast du keinen Bock mehr auf mich, dann sag es mir ganz einfach – von mir auch per WhatsApp-Sprachnachricht – und verschwinde nicht einfach vom Erdboden. Das ist so extrem uncool.  

Eines meiner Lieblings-Zitate stammt von Robert De Niro: “Erfolgreiche Personen antworten sofort auf Nachrichten, sie respektieren die Zeit des anderen. Nur Verlierer lieben es, dass du auf sie wartest. Denn das ist die einzige Möglichkeit für sie, sich wichtig zu fühlen.” Lasst uns doch einfach alle wieder erfolgreich werden und uns schreiben, uns nicht warten lassen oder einfach verschwinden. Denn ist Ghosting wirklich alles, was wir der Generation nach uns hinterlassen wollen!?  

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this thing about… Zeit

„Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.“ – Albert Einstein

Zeit ist eine komische Sache. Zeit ist irgendwie wichtig. Zeit ist manchmal irgendwie unwichtig. Und eigentlich weiß auch jeder, wie man Zeit misst. Und eigentlich weiß auch jeder, dass eine Minute sechzig Sekunden hat. Und eigentlich sollte sich Zeit immer gleich anfühlen. Tut sie aber nicht.
Zeit ist relativ. Zeit fühlt sich für jeden Menschen anders an. Dabei läuft die Zeit für alle auf der Erde gleich.

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This thing about… Die Akte Gina-Lisa

Seit einigen Wochen finde ich den Fall „Gina-Lisa Lohfink“ vermehrt in meiner Facebook-Chronik wieder. Es geht um eine junge Frau, 29 Jahre alt, dessen öffentliche Persona man aus der 3. Staffel Germany’s Next Topmodel und sämtlicher Regenbogenpresse kennt. Ihr Image ist leider nicht das beste und genau das wird ihr gerade zum Verhängnis gemacht:

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This thing about… Legalize Rape

Ich habe vor kurzer Zeit mit meinen Freundinnen in Berlin geskypt. Wir haben uns über die schrägen Amerikaner und ihre politischen Ansichten unterhalten. Irgendwann meinte Yana: „Habt ihr von dem Kerl gehört, der Vergewaltigungen auf privatem Gelände erlauben möchte?“
Ich war geschockt. Wer ist dieser Kerl und was will er mit der Legalisierung von Vergewaltigung erreichen? Marihuana kann von mir aus gerne legalisiert werden. Schließlich fügt man damit niemanden Schaden hinzu, wenn man es konsumiert. Aber Vergewaltigung!? Das ist eine gewalttätige Handlung, die nicht nur körperlichen Schaden, sondern vor allem seelischen Schaden hinterlässt. Körperverletzung wird doch auch bestraft – zu Recht!

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This thing about… Religion

Religion und ich haben ein angespanntes Verhältnis. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich mich schon mit anderen Menschen wegen der Religion in den Haaren hatte. Ich glaube nicht an Gott! Ich habe meine Konfirmation gefeiert, wegen der Feier und den Geschenken. Während der ganzen Zeremonie habe ich mich unwohl gefühlt und auch lange Zeit später habe ich keinen Fuß in eine Kirche gesetzt, weil ich mich dort fehl am Platz gefühlt habe! Habe ich das vor 8 Jahren – zugegebenermaßen hochnäsig und voller Stolz – erzählt, habe ich mich mit der ein oder andern lieben Person ganz schön gestritten. Zum einen, weil sie mich nicht verstanden haben, zum anderen, weil ich sie nicht verstanden haben!

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This thing about… Online-Dating

Ich bin bekennende Nutzerin von Dating-Apps.

Jetzt werden wieder die üblichen Stimmen laut: „Ach, man kann doch auch so Leute kennenlernen!“
„Die wollen doch alle nur vögeln auf diesen Plattformen.“
„Die Apps machen viel Spaß, sind aber sehr oberflächlich und daher nicht für ernsthafte Beziehungen geeignet.“

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This thing about … My Last 3 Years In Berlin

Wer kennt den Spruch von Franz von Suppé nicht: „Du bist verrückt mein Kinddu musst nach Berlin.“

3 Jahre lang habe ich Verrückte in Berlin gelebt, gelacht, gelitten und geliebt. 2011 habe ich mein Abitur gemacht und mir war von Anfang an klar, dass keine andere Stadt als Berlin fürs Studium in Frage kommt. Meine Mama kommt von hier. Als ich klein war, haben wir übergangsweise hier gewohnt. Außerdem habe ich einige Verwandte hier in der Stadt und war die 19 Jahre vor meinem Umzug schon sehr oft zu Besuch. Neben Flensburg war Berlin somit schon immer meine zweite Heimat – Berlin hat mich quasi mit erzogen.

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