Inspiration #1

Inspiration kann vieles sein: Ein Mensch, ein Bild, ein Wort, ein Lied, ein Outfit oder auch eine Story. Meine Rubrik ‚Inspiration‘ möchte ich heute ungewöhnlich starten. Ich würde mich selbst nicht als Inspirationsquelle ansehen. Aber ich habe eine Sache gemacht, auf die ich sehr stolz bin und die vielleicht doch für andere Inspiration sein kann.

Ich bin ganz normal aufgewachsen, im normalen Flensburg, mit einer normalen Familie. Ich sah wie jedes Mädchen aus: klein, schlank, zuckersüß. Dann kam die Pubertät und alles war vorbei. Die Hormone haben meinen Körper wie einen Hefekuchen aufgehen lassen – okay, so schlimm war es nicht. Aber ich habe ordentlich zugelegt, obwohl ich Cheerleader war und normal aß, wie der Rest meiner Familie auch. Hat alles nichts gebracht!

 

| v.l.n.r. Jessi, Patrick, Mama, Ich |

Zu meinem Übel sind vor allem meine Brüste gewachsen. Sie wuchsen und wuchsen und hörten gar nicht mehr auf. Als hätte ich sie fleißig gedüngt und gegossen. So hatte ich mit 14 ein D-Körbchen und kein Jahr später mit 15 mein geliebtes F-Körbchen. Da war ich in der  9. Klasse und habe mein Betriebspraktikum im Kindergarten gemacht. Abends lag ich regelmäßig heulend im Bett, weil ich Rückenschmerzen vom Feinsten hatte und teilweise meinen Kopf nicht mehr drehen konnte. Zudem kamen noch Blutergüsse durch die BHs und Entzündungen – gerade im Sommer.

 

| Dezember 2008 |

Damals habe ich schon mit meiner Mama über eine Brustverkleinerung gesprochen. Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil ich Angst hatte, es später zu bereuen. Ja ne, ist klar! Es ist wohl eher andersherum: Ich bereue, dass ich es nicht schon mit 15 machen lassen habe.

| November 2009 |

Also, trug ich die Last weiter mit mir herum. Bekam Rückenschmerzen, wurde gehänselt oder von notgeilen Oberstuflern (ich 9. Klasse, sie 12. Klasse) abgecheckt. Bald habe ich mein größtes Hobby, das Cheerleading, aufgeben müssen. In der 11. Klasse habe ich nicht am Schwimmunterricht teilgenommen, weil ich mich einfach geschämt habe, meinen Körper im Badeanzug zu präsentieren. In der 13. Klasse habe ich gar nicht mehr beim Sportunterricht mitgemacht. Sport ist ja schon bei normal großen Brüsten schmerzhaft, wenn die einem beim Laufen hoch und runter wippen. Aber mit einem großen F-Körbchen – egal wie viele Sport-BHs – fliegen einem die Dinger sowas von um die Ohren und es tut höllisch weh.

| Juli 2010 |

Ich habe mit 17 endgültig den Entschluss gefasst, eine Mammareduktionsplastik, also eine Brustverkleinerung, zu machen. Weil ich mich nicht getraut habe, meine Mama zu fragen, habe ich ihr eine Mail geschrieben mit verschiedenen Berichten aus dem Fernsehen. Sie hat den Wink verstanden und schnell einen Termin bei einem plastischen Chirurgen vereinbart. Das Vorgespräch war super. Der Chirurg sah nicht nur unverschämt gut aus, er war auch wahnsinnig freundlich, spezialisiert auf Brüste und wusste, wie sie auszusehen haben.

Wir wollten die 5000€ für die OP natürlich nicht selbst bezahlen, sondern eine Kostenübernahme der Krankenkasse bewirken. Der Chirurg hat einen Brief für die Krankenkasse aufgesetzt und ihnen von meinen Problemen erzählt. Zusätzlich habe ich einen Brief von meinem Orthopäden bekommen und ein Attest von meiner Frauenärztin. Nach der 1. Ablehnung musste ich vorstellig werden beim Medizinischen Dienst der Krankenkasse. Dann kam die 2. Ablehnung: Ich solle doch erst mal abnehmen und in einem Jahr nochmal nachfragen – kein Problem, ich esse einfach gar nichts mehr, weil Sport kann ich ja nicht wirklich mehr machen. Das meine Brust größtenteils aus Drüsengewebe besteht und nicht aus Fett, eine Gewichtsreduktion also nichts gebracht hätte, war denen egal.

| Schaut euch diese tollen BHs an, die ich tragen „durfte“ |

Wir sind mehrmals in Widerspruch gegangen, ich hatte aber irgendwann keine Lust mehr. Ich stand kurz vor meinem Abitur, mein Leben sollte nun bald losgehen und das konnte ich mir nicht vorstellen mit einem F-Körbchen. Meine Eltern haben das Geld zusammen gekratzt und mir so am 17. März 2011 meine Operation ermöglicht. 3 Stunden später und 1,6kg leichter konnte ich es nicht fassen: Ich hatte normale Brüste, ein schönes C-Körbchen. Meine Mama hat geweint, als sie das Ergebnis zum ersten Mal gesehen hat. Ich habe bis heute keine Träne vergossen, weil ich es wahrscheinlich immer noch nicht realisiert habe.

END OF THE SORTY: Ich habe nach der OP 15kg abgenommen. Meine Eltern haben mit Hilfe eines Anwalts die Hälfte ihres Geldes wiederbekommen. Ich habe wieder Spaß, shoppen zu gehen. Ich gehe gerne aus, zeige, was ich habe. Ich gehe mittlerweile sogar wieder schwimmen – im Tankini und sogar im Bikini. Es hat sich mehr als gelohnt, es hat mein komplettes Leben einmal auf den Kopf gestellt. Ich würde diesen Weg jederzeit wieder gehen. Es war die beste Entscheidung, die ich bis dato treffen konnte!

DANKE MAMA! DANKE PAPA!

| Abi-Ball Juni 2011 |

| Juli 2014 |

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