Die Leiden des jungen Daters

Vom Datingleben als Millenial

Ich bin weiblich, 24 Jahre, wohne in Berlin und bin Single. So viel zu meinen Eckdaten. Single bin ich schon seit … immer!? Kann man so sagen. Da lief mal hier was, mal da was, aber etwas Festes hat sich noch nicht ergeben. Also, stürze ich mich nun seit gut 2,5 Jahren in die Tiefen des Online-Datings. Das macht Spaß, ist interessant und manchmal einfach erschreckend.

Das ganze soll natürlich auf eines hinaus laufen, einen Mann zu finden, mit dem ich mir auch eine Beziehung vorstellen kann, der mich verschrobenes Mädchen aushält und mit meiner verrückten Familie klar kommt. Aber das ist nicht alles. Neben der Suche nach dem Richtigen kann man die ein oder andere soziale Studie durchführen.

Beispielsweise haben einige Männer kein Problem damit, dich nach einer Stunde Hin- und Herschreiben nach deiner Körbchengröße zu fragen. Manch einer sieht die Offenlegung seines Fetischs als geeigneten Gesprächsbeginn an. So wurde ich schon gefragt, ob ich nicht Dom oder Sub sein möchte oder mir mal die Füße ablecken lassen würde. Sorry, nein, danke!
Ich meine, schlechte Anmachsprüche kennt jeder, aber was man bei Dating-Apps vorgesetzt bekommt, ist unbeschreiblich:

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Like, yeah, thank you very much and bye. Höre ich mich jetzt schon an wie eine Bitch? Egal. Nur weil ich online date, will ich dir weder meine Körbchengröße verraten, noch bin ich untervögelt oder verzweifelt. Ich habe auch gerne mal eine Grundsatzdiskussion, aber nicht auf Tinder. Ich suche nur in einer großen Stadt eine nette Gesellschaft.

Ich meine, solche Nachrichten sind harmlos und einfach zu ignorieren, aber was mir letztens passiert ist, wird als eine meiner Lieblingsgeschichten eingehen:
K. hat mich angeschrieben, super spannend und interessant. Samstag hatten wir einen wundervollen Tag, sind auf dem Tempelhofer Feld spazieren gewesen, haben danach einen Tee getrunken und uns toll unterhalten. Noch beim Date haben wir uns für den Donnerstag zu Pizza, Bier und Louis C.K. verabredet. Pizza, Bier fiel Flach, da es mir ordentlich beschissen ging. Aber K. hat sich zauberhaft um mich gekümmert, hat mir Tee gemacht und war ganz Gentlemen und fürsorglich.

Irgendwann lief es auf das Unabwendbare hinaus und wir haben geknutscht. #läuftbeimir Mehr lief aber auch nicht, weil er sich ab da einen Fauxpas nacheinander geliefert hat. Mama, Papa, ab hier bitte nicht weiterlesen!

 

  1. Knutschflecken gehen gar nicht! Die gehen so schon nicht, aber vor allem nicht, wenn man am nächsten Tag ein wichtiges Meeting hat. Wir sind doch auch keine 12 mehr. Daher gilt damals in den 80s wie heute: Mach mir doch kein Knutschfleck, alles nur kein Knutschfleck. So ein Fleck hat nur den einen Zweck, der Knutschfleck bleibt und du bist weg 😉
  1. Jemanden währenddessen einfach irgendwelche Namen geben, die sonst als Beleidigungen gelten, ist ein großes No-Go! Denn selbst wenn du auf meine Kurven und meinen Hüftspeck stehst, mich „Dickerchen“ zu nennen ist super uncool.
  1. Beim 2. Date schon nach einem Blow-Job fragen!? Ne, echt nicht. Wenn es dir nicht angeboten wird, dann bekommst du den auch nicht, wenn du danach fragst.
  1. Der Stimmungskiller überhaupt: Nachdem man dann „Nein!“ zum Blow-Job gesagt hat, zu fragen: „Stehst du nicht auf Schwänze?“ Schreckliches Wort, schlechter ‚Dirty Talk‘, zu straight forward und vor allem muss frau nicht zu jedem „Nein“ eine Erklärung haben. „Nein“ kann auch einfach mal „Nein“ heißen.
  1. Beim Knutschen ist ein bisschen rough ganz cool, manchmal sogar gewünscht. Aber jemanden so heftig in den Oberarm oder sonst wo hin zubeißen, sodass ein blauer Fleck bleibt – ähm, geht es noch? Hier gilt dann doch: Fragen bitte!

Es ist wohl unnötig zu erzählen, dass ich mich verabschiedet habe und etwas, was nie begonnen hat, gleich beendet habe!? Ich habe schon wirklich schräge Dinge erlebt, aber das war ein Touch to much.

Noch so ein Ding der Unmöglichkeit: Nach einer gemeinsamen Nacht morgens aufzustehen und einfach komplett ignoriert zu werden. Tschakka! Ist Small Talk wirklich so hart? Oder einfach kurz zu klären: Hey, war schön gestern, aber war halt auch nur ne einmalige Sache!? Wir sind erwachsene Menschen und blöde Datingspielchen oder Hingehalten zu werden ist einfach unnötig. Sagt einfach, was Sache ist und gut ist, anstatt sich tagelang nicht zu melden oder auf Nachrichten nicht zu antworten. Ihr seid in dem Moment weder mysteriös, noch macht ihr euch interessant. In dem Moment seid ihr einfach nur Scheiße! Wirklich uncool! Und einfach nur unhöflich und respektlos. Robert De Niro sagte mal: „Erfolgreiche Personen antworten sofort auf Nachrichten, sie respektieren die Zeit des anderen. Nur Verlierer lieben es, dass du auf sie wartest. Denn das ist die einzige Möglichkeit für sie, sich wichtig zu fühlen.“ Männlein und Weiblein notiert!? Dankeschön.

Wo sind die Wohlerzogenen, die Gentlemen, die Männer mit Manieren? Eine kurz vor dem Aussterben bedrohte Art? Wenn die beziehungsgestörten Millenials schon solche Probleme haben, wie soll es denn nur für die Generation nach uns aussehen?
Fühlt euch nicht alle angesprochen, ich kenne auch zauberhafte, tolle Männer, nur bin ich mit denen befreundet. Was läuft da denn falsch?
Wie Charlotte schon so passend sagte: “Ich will doch nur einen netten, liebenswerten, gut aussehenden, witzigen, wahnsinnig tollen Typen!” Daher gebe ich die Hoffnung nicht auf und halte euch auf dem Laufenden. 😉

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